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Um es vorweg zu nehmen: ich bin keine Kunstexpertin, gehe aber gern in Galerien oder Museen. Die documenta ist ja eine der weltweit bedeutendsten Ausstellungen für zeitgenössische Kunst und findet alle 5 Jahre in Kassel statt. Da meine Familie dort wohnt, ist die documenta für mich nicht nur wegen der Kunst etwas ganz Besonderes. Die Stadt blüht in diesen Wochen quasi auf, denn es gibt nicht nur verschiedene Ausstellungsräume, sondern auch Außenkunstwerke.

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Vom 10.6. bis 17.9.2017 prägte Kassel für 100 Tage ein anderes Stadtbild, allen voran mit einer maßstabsgetreuen Replik des Parthenon aus Athen. Ein riesiges Monument – mit Büchern verkleidet, die verboten sind oder waren. Athen ist nämlich Partnerstadt der documenta, die den Titel „Von Athen lernen“ trägt. Wie immer ist auch diese documenta hochpolitisch, das Flüchtlingsthema ist allgegenwärtig, z.B. in Form eines Marmorzeltes vor dem Grimm-Museum. Der kurdische Künstler Hiwa K. hat Betonröhren übereinander gestapelt, die vielen Gestrandeten in Griechenland als Unterkunft dienten.

Das sind aber neben schwer auffindbaren Installationen in der Karlsaue (Park) wirklich wenige Kunstobjekte, die man wie bei der vorherigen documenta zu Fuß ansteuern konnte und die ein echtes „Happening-Feeling“ versprühten.

Klar habe ich Kunstinteressierte aus allen Herren Ländern getroffen und Kassel ist selten so international unterwegs und die Restaurants sonst nie so ausgebucht. Im wohl angesagtesten Italiener „Osteria“ an der Jordanstrasse waren wir am letzten Abend essen (auch Kunstfan Brad Pitt schaute dort schon vorbei), die Restaurantbesitzer waren zwar glücklich über die vielen Gäste, aber auch froh, wenn der „Wahnsinn endet“!

 

Flucht, Unterdrückung, Unsicherheit, Gewalt – das sind die Themen der documenta: teilweise sehr schwer verdauliche Kost, wie ich persönlich finde. Klar spiegelt es den Zeitgeist wider, jedoch war es teilweise sehr bedrückend. Nichtsdestotrotz bin ich ein Riesenfan dieser deutschen Kunst-Ausstellungsreihe, die es nun schon seit 1955 gibt. Ich hoffe aber insgeheim, daß sich die gesellschaftspolitische Lage ändert und es in 5 Jahren positivere Themen zu kuratieren gibt.

 

 

 

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